Expertentipp Gewaltprävention, Selbstbehauptung für Kinder und Jugendliche

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Expertentipp Gewaltprävention, Selbstbehauptung für Kinder und Jugendliche

Expertentipp – von Uwe Hartig, Vater einer Tochter, bei der Kriminalpolizei Berlin im Bereich Verbrechensbekämpfung und ganz nebenbei Autor von Kriminalromanen u.a. Mehr zu Uwe Hartig findet Ihr bei den Polizei-Poeten oder bei Mauerstücke – Erinnerungsgeschichten.

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U-Bahnschläger tritt auf sein Opfer ein… Dieses Thema geistert seit Wochen durch die Presse, ich will kein Öl ins Feuer gießen. Wenn sie ihre Tochter oder ihr Sohn fragt: Was soll ich tun, wenn…? Dann möchte ich ihnen helfen eine Antwort zu finden. Stellen sie sich vor… ES BESTEHT EINE KONKRETE GEFAHR!- Was können sie tun?/Was kann mein Kind tun?

Zuallererst stellen sie sich die Frage… Kann ich dieser Situation aus dem Weg gehen? Verlassen sie sich dabei getrost auf ihr Bauchgefühl, es wird sie nicht enttäuschen. Ich kann durch die Gruppe Jugendlicher, welche mir grölend auf dem Fußweg entgegen kommt hindurchgehen, muss es aber nicht.

Jetzt entspannen sie sich, nicht jeder Jugendliche, der auf der Straße herum krakeelt, will was böses, vielleicht hat er das Taschengeld von Mutti nicht -wie versprochen -für Kinokarten, sondern für Bier ausgegeben. Wenn’s ihnen mulmig wird, wechseln sie die Straßenseite, suchen sie die Nähe anderer Menschen und bei Dunkelheit sind ein paar Straßenlaternen nicht von Nachteil.

Sei kein Opfer! – Selbstbewusst auftreten und die Angst in die Aktentasche/Schulranzen stopfen, das sind schon mal gute Voraussetzungen um nicht von vornherein in der Kategorie Opfer zu landen. Jeder Täter wird erwarten, dass sich sein Opfer so verhält wie ein Opfer.

Du willst kein Opfer sein! – Überrasche dein Gegenüber. Wirf Dich auf den Boden, täusche Bauchkrämpfe oder ein Telefonat mit deinem Handy vor, meinetwegen singe ein Lied, aber lass dich nicht auf den Plan des Täters ein. Äußere Deine Worte dem Täter gegenüber klar und deutlich. „Fassen SIE mich nicht an!“ oder „Kommen SIE nicht näher!“ Das SIE soll dabei zusätzliche Distanz schaffen und anderen Menschen in der Nähe verklickern, dass du von Fremden bedroht oder belästigt wirst.

Straftaten werden dort begangen, wo der Täter nicht befürchten muss, zur Rechenschaft gezogen zu werden. Er möchte anonym bleiben. Genau DAS willst du nicht! Bezieh andere Menschen mit ein, mache lautstark auf deine Lage aufmerksam. Sprich z.B in der S-Bahn, andere Fahrgäste direkt an, fordere konkrete Hilfe ein! „Sie mit dem weißen Basecap, rufen sie die Polizei!“

Da wir gerade in der S-Bahn sitzen, …hier noch ein Geheimtipp…. und der heißt NOTBREMSE! Es gibt sie in jedem Abteil, scheue dich nicht diese zu benutzen. Der Zug wird halten und erst weiterfahren, wenn der Zugführer die Notbremse persönlich gesichert hat. Der Zugführer wird nur eine Frage haben, die du am besten beantworten kannst! Solltest du die Möglichkeit zur Flucht haben, nutze sie. Flüchte dich in die Nähe anderer Menschen, suche die Öffentlichkeit.

Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass man in der Not besser gerüstet ist, wenn der Ernstfall schon mal geprobt wurde. Manches geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus, dazwischen bleibt nicht viel.

Weitere Expertentipps gibt es zum Thema Reiten und Fahrradhelme für Kinder.

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