Recyling & Basteltipp: Papier selber schöpfen

22Recyling & Basteltipp: Papier selber schöpfen

Papier selber schöpfen ist gar nicht so schwer wie man denkt. Papierschöpfen ist auch schon für kleinere Kinder geeignet, die bei vielen Arbeitsschritten mithelfen können. Größeren Kindern macht das Experimentieren mit den verschiedenen Farben, Papierstärken, Formen und Naturmaterialien sehr viel Spaß!

 

Was benötigt ihr?
1. Schöpfrahmen, 2. Papier- oder Kartonschnipsel zum Pürieren, 3. sehr großen Behälter, 4. viele dünne Vlieslappen und Handtücher

1. Schöpfrahmen
Schöpfrahmen könnt ihr schnell selber herstellen. Ein Schöpfrahmen besteht aus einem rechteckigen Holzrahmen, der straff mit einer Gaze überspannt und mit Reißzwecken befestigt wird. Die besten Erfahrungen haben wir mit einem Fliegennetz aus Kunststoff gemacht. Feinmaschiger muss die Gaze nicht sein. Sie sollte aber auch nicht zu grob sein, da die pürierten Papierreste darauf stehen bleiben müssen. Dann braucht man einen weiteren einfachen Rechteckrahmen aus vier Leisten, der etwas kleiner ist und die Form des Schöpfpapiers bildet. Wer keine Lust hat, extra einen Schöpfrahmen zu bauen sollte nach Alternativen Ausschau halten z.B. kann man kurzerhand den runden Spritzschutz einer Bratpfanne zweckentfremden. Vielleicht habt ihr ja noch andere Ideen!? Es gibt auch fertige Schöpfrahmen im Bastelbedarf zu kaufen.

 

2. Papier, Papierreste oder Karton
Zum Papierschöpfen eignen sich fast alle Papiersorten – Reste, die ihr zu Hause finden könnt: Fehldrucke, eingerissenes Kopierpapier, alte Werbebroschüren, alte Eierverpackungen, alte Servietten. Bei der Menge verschätzt man sich leicht. Meistens reicht weniger aus, denn das Papier saugt sich noch voll. 2-3 Eierpackungen und dazu eine Zeitung reicht fürs erste Experimentieren aus.

Für bunte Ergebnisse solltet ihr verschiedene Farben sortieren und in einzelnen Behältern sammeln.
Wir hatten beim Schöpfen die Farben weiß (Fehlkopien), grau und grüngelb (alte Eierpackungen sortiert), dunkelblau (alte Servietten), rötlich (Werbeprospekte) und creme (alte Pralinenschachtel) zur Verfügung. Das Färben des Papiers ist natürlich auch anders möglich z.B. mit Lebensmittelfarben.

 

3. Behälter
Zum Papierschöpfen muss man das Papierpüree mit viel Wasser verdünnen. Zum Schöpfen benötigt ihr also eine ziemlich große Schüssel oder noch besser eine Babybadewanne vor allem bei einem normal großen Schöpfrahmen (ab Papierformat A5). Auf jeden Fall muss man bequem den Schöpfrahmen darin untertauchen und etwas hin und her bewegen können.

 

4. Vlieslappen und Handtücher
Papierschöpfen ist eine ziemlich nasse Angelegenheit! Um das Papier vom Rahmen zu lösen benötigt man Küchenhandtücher und Vlieslappen (die gibt es auch von der Rolle) und zum Aufsaugen des Wassers und zum Unterlegen sind normale Baumwoll-Küchenhandtücher geeignet. Zum Papierschöpfen waren wir im Freien auf einer Wiese, so hatten wir keine Angst vor Wasserspritzern und Naturmaterial zum Experimentieren war sofort zur Hand!

 

Wie geht Papierschöpfen?

1. Die Pulpe herstellen
Die Papier- und Pappreste müsst ihr in kleine Schnipsel reißen ca. 2×2 cm, mit heißem Wasser übergießen und 1 Nacht einweichen lassen. Das Mischungsverhältnis hängt von der Papier- oder Kartonsorte ab und außerdem wird der Papierbrei beim Schöpfen nochmals stark verdünnt. Auf jeden Fall sollte es so viel Wasser sein, dass alles schön breiartig ist und man gut mit dem Pürierstab mixen kann. Den entstandenen Papierbrei nennt man Pulpe!

2. Das Papier schöpfen
Zum Schöpfen gibt man dann einen Teil der Pulpe in die Babybadewanne und vermischt alles im Verhältnis ca. 1:8 mit Wasser. Dann nimmt man den Schöpfrahmen, drückt das Oberteil fest an das Unterteil, taucht mit der Gaze nach oben in das gut gerührte Schöpfwasser mit sanften Schaukelbewegungen ein und hebt den Rahmen wieder heraus. Der obere Rahmen bildet die Begrenzung des Papiers. Man muss darauf achten, dass an allen Stellen des Schöpfrahmens die Pulpe gleichmäßig dick verteilt ist. Falls nicht, dann ist das nicht schlimm! Man kann ja den Rahmen ohne Oberteil andersherum wieder eintauchen, die Pulpe abspülen und einen neuen Versuch wagen – solange bis man zufrieden ist! Falls das Schöpfwasser zu dünn ist, was man teilweise erst bei späteren Arbeitsschritten bemerken wird, dann gibt man noch Pulpe hinzu und verdickt damit das Schöpfwasser! Beim Schöpfen sollte man jedenfalls keine Netzstruktur vom Schöpfrahmen durchsehen können, denn dann wird das Papier zu dünn!
Die Pulpe tropft kurz ab und man kann sofort das Oberteil des Schöpfrahmens abnehmen und bekommt eine erste Ahnung von seinem eigenen handgeschöpften Papierbogen!

3. Papier gautschen, trocknen und pressen
Nun legt ihr behutsam ein Vlies auf und stürzt alles auf ein glattes Küchenhandtuch. Aus einem weiteren Küchenhandtuch formt man sich einen kleinen Ballen, mit dem ihr die Pulpe gautscht, also vom Gitter von der Rückseite her ablöst. Dabei sollte schon so viel wie möglich Wasser aufgesaugt werden. Dann kann man den Schöpfrahmen hochnehmen – ein schnelles ruckartiges Hochreißen funktioniert manchmal besser als ein langsames behutsames Ablösen. Das muss man aber ausprobieren, das hängt auch vom Netz und den Papierfasern ab!
Wer großen Wert auf ein ganz glattes Blatt legt, der kann noch das mit einem weiteren Vlies abgedeckte Blatt mit einem Nudelholz bearbeiten! Ansonsten wird das Küchenvlies mit anhaftendem nassem Blatt auf einer Leine zum Trocknen aufgehängt. Nach dem vollständigen Trocknen kann man es vom Vlies lösen und eventuell pressen.

 

 

So schnell habt ihr eigenes handgeschöpftes Papier hergestellt! Viel Spaß dabei!

[sc:Ytti-YttisTipp ] Wer will kann getrocknete Blütenblätter, Gräser oder Fäden mit einbringen. Diese muss man auf die Vliesunterlage legen und dann den Rahmen mit der Pulpe direkt darauf stürzen. Man kann aber auch dickere Blätter, Spitze oder andere Materialien zum Prägen auf die Vliesunterlage legen, das Papier schöpfen und anschließend entfernen, das Papier hat diese Formen dann angenommen.

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Maja hat 168 Artikel für ytti geschrieben