Assistenzhunde helfen Menschen mit Behinderungen – ein Hund für Marlin

Assistenzhunde helfen Menschen mit Behinderungen

Assistenzhunde helfen Menschen mit Behinderungen – ein Hund für Marlin

Gastbeitrag von Annette Bäßler

Blindenhunde kennt jeder. Assistenzhunde helfen Menschen mit BehinderungenWeniger bekannt ist, dass es auch bei anderen Beeinträchtigungen oder Behinderungen Assistenzhunde gibt, die helfen können. Rollstuhlbegleithunde bringen Gegenstände, öffnen Türen und Schubladen und überwinden Barrieren. Wer unter Diabetes, Epilepsie, Autismus oder einem posttraumatischen Belastungsstörung leidet, könnte ebenfalls Unterstützung von einem speziell auf die jeweilige Person ausgebildeten Assistenzhund bekommen. Zum Beispiel einem Hund aus dem WZ Hundezentrum in Lalendorf.

Lalendorf liegt geographisch in der Mitte Mecklenburg-Vorpommerns, 50 Kilometer südlich von Rostock. Dort leiten Ulrich Zander und Kirstin Wilken das WZ Hundezentrum, in dem Familienhunde erzogen und Assistenzhunde ausgebildet werden.

Seit fast zehn Jahren trainieren die beiden Hunde. Mittlerweile bilden sie zwölf bis fünfzehn Assistenzhunde pro Jahr aus, in der Regel Australian Shepherds und Labradors aus eigener Zucht. Schon vom ersten Tag an beobachten sie das Verhalten der Welpen. Sind sie schreckhaft? Neugierig? Rüpelig? Tiere, die von Anfang an offen und entspannt wirken, könnten als Assistenzhunde geeignet sein.

Doch zunächst dürfen alle Welpen sich wie junge Hunde verhalten: herumtollen, zusammen spielen und voneinander Sozialverhalten lernen. Wenn sie sechs Monate alt sind, beginnt die allgemeine Ausbildung. Die Hunde lernen auf Kommandos wie „Sitz!“, „Platz“ und „Bleib“ zu hören und üben das Laufen an der Leine. Sie sollen sich in jeder Situation benehmen können, sei es im Straßenverkehr, im Haus, im Auto oder beim Spaziergang im Zoo.

„Zwei bis vier Welpen aus einem Wurf kommen für eine Fachausbildung als Assistenzhund in Frage“, erklärt Ulrich Zander. Seine Kollegin Kirstin Wilken und er achten dabei auf den Charakter des Hundes, registrieren die Stärken und Schwächen und Fähigkeiten  jedes Tieres. Auch der gesundheitliche Zustand wird genauestens gecheckt. Während ihre Geschwister als gut erzogene Familienhunde abgegeben werden, wartet auf die ausgewählten Welpen eine größere Aufgabe. „An diesem Punkt kommen die Menschen ins Spiel, die einen Assistenzhund suchen“, sagt Ulrich Zander.

Zum Beispiel Assistenzhunde helfen Menschen mit BehinderungenFamilie Schulz aus Berlin. Ihr Sohn Marlin ist seit Geburt gehörlos, leidet an Bewegungsstörungen und ist nonverbaler Autist. „Marlin ist ein Sonnenschein“, sagt seine Mutter Krystina. Aber wenn der Sechsjährige nicht gerade in der Kita ist, muss er rund um die Uhr betreut werden. Er erkennt keine Gefahren, verlässt das elterliche Grundstück, rennt ohne auf den Verkehr zu achten auf die Straße  und geht beim Einkaufen verloren. Seine Eltern und die beiden älteren Geschwister sind am Rande ihrer Belastbarkeit angekommen.

Seit einem Jahr ist Familie Schulz in Kontakt mit Ulrich Zander. Er hat in seinem Pool geeigneter Hunde drei ausgewählt und hat – wie er es immer macht – diese Hunde in Berlin vorgestellt. „Ulrich vom Hundezentrum ist dann hier eines Tages mit drei Hunden aufgetaucht“, erzählt Maxim Schulz, „zwei Labradoren und einem Australian Shepherd. Und dann haben wir geguckt, welcher Hund kommt mir Marlin am ehesten zurecht oder Marlin mit ihm.“ Nacheinander wurden die drei Hunde ins Wohnzimmer gebracht. Die Entscheidung fiel auf Dorie, eine weiße Labradorhündin. „Ich war wirklich überrascht, wie eindeutig das mit Dorie dann war. Der Hund hatte gleich Interesse an Marlin, war aber nicht zu aufdringlich. Marlin hat Interesse am Hund gehabt, hat ihm dann auch sein Brötchen hingehalten. Und Dorie hat genüsslich abgebissen, die beiden waren gleich ein Herz und eine Seele.“

Ulrich Zander freut das sehr. Ihm liegen seine Hunde am Herzen; natürlich hofft er, dass es mit der Familie klappt und alle sich wohlfühlen. Für Dorie beginnt nun die spezielle Fachausbildung. Sie bekommt Geruchstraining, um Marlins Spuren zu folgen, sollte er verloren gehen. Sie lernt, einen Notfallknopf zu drücken, an einer speziellen Leine zu erkennen, wenn Marlin ausbüxen möchte. Vor allem aber soll sie Marlin ein guter Freund sein und ihn beruhigen, wenn ihn Situationen überfordern und es wegen der Reizüberflutung zu einem Meltdown kommen könnte.

Während Dorie in den nächsten Monaten gezielt für Marlins Bedürfnisse ausgebildet wird, muss Familie Schulz die Finanzierung des Hundes hinbekommen. 26.000 Euro müssen auf dem Konto sein, bevor Dorie übergeben werden kann. In diesem Preis sind die Kosten für den Hund, seine Verpflegung, seine Ausbildung sowie die Begleitung der Familie bis ans Lebensende des Hundes eingeschlossen. Das ist viel Geld für Marlins Eltern. Neben den eigenen Rücklagen bekamen sie finanzielle Unterstützung von Verwandten und Bekannten und aus Spendenaktionen an der Schule der Kinder. Doch mit dem Corona-Lockdown kam alles zum Erliegen.

„Fast alle Hunde werden teilweise über Spenden finanziert“, weiß Ulrich Zander. Das WZ Hundezentrum arbeitet mit dem gemeinnützigen Verein Servicehundzentrum e.V. zusammen, auf dessen Konto Spenden für die jeweiligen Familien eingehen. Natürlich gibt es eine Spendenbescheinigung. „In kleineren Orten geht die Finanzierung oft ganz schnell“, weiß Ulrich Zander aus Erfahrung. „Da erscheint ein Artikel in der Lokalzeitung und schon beteiligen sich alle.“ In Berlin ist es deutlich schwieriger, Menschen zu erreichen. Wer will, kann aber jederzeit dazu beitragen, dass Dorie ab Oktober bei Marlin einzieht.

Spendenkonto:
Servicehundzentrum e. V.
OstseeSparkasse Rostock
IBAN: DE90 1305 0000 0201 1056 32
BIC: NOLADE21ROS
Verwendungszweck: Assistenzhund für Marlin
Ausbildungsstelle
WZ Hundezentrum GmbH
Hauptstr. 7
18279 Lalendorf OT Raden
Telefon: 038452 – 504081
E-Mail: info@wzhundezentrum.de

Fotos: ©WZ Hundezentrum 

Über den Autor

Gabriele Schaefer hat 370 Artikel für ytti geschrieben